Mittel gegen zu niedrigen Blutzucker: schnelle Hilfe

Vor allem Menschen mit Diabetes, die Insulin oder bestimmte blutzuckersenkende Tabletten (z. B. Sulfonylharnstoffe) nehmen, haben regelmäßig oder gelegentlich zu niedrigen Blutzucker.
Als niedrig gilt ein Blutzuckerwert von weniger als 70 mg/dl (3,9 mmol/l), deutlich zu niedrig ist er unter 54 mg/dl (3,0 mmol/l). Symptome, die den Unterzucker begleiten, können Schwitzen, Zittern, Herzklopfen, Heißhunger, Schwindel, Kopfschmerzen, Konzentrations- und Sehstörungen sowie Gereiztheit bis hin zu Aggressivität sein.
In solch einem Fall sollten Sie einige Mittel kennen, die dem niedrigen Blutzuckerwert entgegensteuern.
Schnelle Hilfe bei Unterzucker
Bei einem leichten Fall von niedrigem Blutzucker helfen häufig schon einfache Hausmittel.
Das bewährteste Mittel ist Traubenzucker; wer zu Unterzuckerungen neigt, sollte ihn immer dabeihaben. Ebenso helfen Würfelzucker, ein Glas Cola oder Fruchtsaft (keine Light- oder Diätgetränke). Nötig sind etwa 15–20 g Zucker, also z. B. 4 bis 6 Plättchen Traubenzucker oder rund 200 ml Saft bzw. Cola – ein einzelnes Zuckerstück reicht nicht aus. Der Zucker lässt den Blutzuckerspiegel schnell ansteigen. Messen Sie nach etwa 15 Minuten erneut und wiederholen Sie die Zuckeraufnahme, falls der Wert noch unter 70 mg/dl liegt. Essen Sie anschließend etwas mit langkettigen Kohlenhydraten (z. B. ein Brot), da der Blutzuckerspiegel sonst schnell wieder sinken kann. Überhaupt spielt die Ernährung eine wichtige Rolle, wenn es um niedrige Blutzuckerwerte geht: Besonders Diabetiker sollten in regelmäßigen Abständen an die Nahrungsaufnahme denken.
Wer besonders nach sportlicher Betätigung oder körperlich anstrengender Arbeit zu einem niedrigen Blutzuckerwert neigt, sollte langkettige Kohlenhydrate zu sich nehmen – Vollkornprodukte sind hier das Mittel der Wahl.
Im Ernstfall: Notruf und Glukagon
Wenn es zu einer sehr starken Unterzuckerung kommt, kann dies schnell gefährlich werden. Der niedrige Blutzuckerspiegel kann dazu führen, dass Betroffene bewusstlos werden.
Für diesen Ernstfall gibt es sogenannte Glukagon-Injektionen, die direkt in den Muskel oder unter die Haut gespritzt werden. Die Injektion enthält ein Hormon, das die Freigabe von Zucker aus der Leber auslöst. Ein Glukagon-Notfallset verordnet Ihnen Ihre Ärztin oder Ihr Arzt, wenn bei Ihnen ein Risiko für schwere Unterzuckerungen besteht. Sie sollten das Notfallset stets bei sich tragen und Ihre Mitmenschen darüber informieren und in die Anwendung einweisen – denn bei einer schweren Unterzuckerung können Sie es sich meist nicht mehr selbst geben.
Ist die betroffene Person bewusstlos oder kann sie nicht mehr sicher schlucken, darf ihr nichts mehr in den Mund gegeben werden. Dann kann solch eine Injektion durch eine eingewiesene Person eine rettende Maßnahme sein; zusätzlich muss sofort der Notruf 112 gewählt werden. Bei manchen Notfallsets muss das Glukagon-Pulver vor der Injektion mit der beiliegenden Flüssigkeit aufgelöst werden. Statt der Spritze gibt es Glukagon auch als Nasenpulver, das in ein Nasenloch gegeben wird; die Präparate werden alternativ, nicht zusammen angewendet. Alle Glukagon-Präparate sind verschreibungspflichtig.
Unterzuckerungen vorbeugen
Vorbeugend gegen Unterzuckerung wirkt die regelmäßige Einnahme von Nahrungsmitteln mit langkettigen Kohlenhydraten. Wenn Sie zu Unterzuckerungen neigen, ist regelmäßiges Messen besonders wichtig – etwa vor dem Autofahren sowie vor und nach dem Sport. Glukosesensoren (CGM) mit Alarmfunktion können rechtzeitig vor niedrigen Werten warnen.
Außerdem gibt es Hunde, die speziell dazu ausgebildet werden, niedrigen Blutzucker zu erkennen (Diabetes-Warnhunde). Für Menschen, die Unterzuckerungen schlecht wahrnehmen, kann das eine Hilfe sein – das Messen ersetzt es nicht.


