Diabetes Typ 1

Gerade in den vergangenen Monaten hat das Thema Diabetes I die Medien verstärkt beschäftigt. Ein beliebter Prominenter, Matthias Steiner, war dabei häufig zu Gast in Talkshows. Viele Betroffene sind froh über den offensiven Umgang des Olympiasiegers mit seiner Erkrankung. Denn mit seiner Offenheit hat er dafür gesorgt, dass die Öffentlichkeit etwas mehr über die Ursachen und Auswirkungen dieses Diabetes Typs erfahren konnte.

Ursache von Diabetes Typ-I

Anders als bei Diabetes Typ-II ist es für die Erkrankten des Typs-I nicht möglich im Vorfeld etwas zu unternehmen, um erst gar nicht zuckerkrank zu werden. Denn die Ursache von Diabetes I sind nicht in den Ess- und Lebensgewohnheiten zu finden, sondern in einem fehlgeleiteten Immunsystem. Als eine Spielart der Autoimmunerkrankungen richten sich bei dieser Form von Diabetes die körpereigenen Immunzellen (T-Lymphozyten), die eigentlich körperfremde Eindringlinge bekämpfen sollen, gegen ein Organ, in diesem Fall gegen die Bauchspeicheldrüse. Genauer gesagt gegen die Zellen, die innerhalb der Bauchspeicheldrüse für die Produktion von Insulin zuständig sind, die sogenannten Betazellen. Infolge dieses ständigen Angriffs werden die Betazellen nach und nach komplett zerstört.

Autoimmunerkrankungen stellen die Mediziner noch immer vor ein großes Rätsel. Auch wenn es eine erbliche Komponente zu geben scheint, haben wohl auch Umweltfaktoren einen erheblichen Anteil. Stress, Schwangerschaften, Rauchen oder Viruserkrankungen können mitverantwortlich dafür sein, dass eine Autoimmunerkrankung ausbricht. Weshalb immer mehr Menschen von Autoimmunerkrankungen wie Rheuma, Morbus Crohn, Hashimoto und eben Diabetes Typ-I betroffen sind, ist bislang ebenfalls unklar.

Folge der Erkrankung

Um zu verstehen, weshalb es für den Körper so dramatische Folgen hat, wenn kein Insulin mehr produziert wird, ist es wichtig, sich klar zu machen, worin genau die Aufgabe dieses Hormons besteht.

Aufgaben des Insulins

Vereinfacht gesagt ist Insulin das Vehikel, mit dessen Hilfe der über die Nahrung aufgenommene Zucker in die Körperzellen transportiert wird. Sobald wir etwas essen, steigt der Blutzuckerspiegel an und ein Großteil des in der Bauchspeicheldrüse vorhandenen Insulins wird ausgeschüttet. Nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip docken die Insulinmoleküle an den Rezeptoren der Körperzellen an und signalisieren diesen, dass sie mit der Aufnahme und dem Abbau des Zuckers beginnen können. Was an den zugeführten Zuckermengen nicht direkt zur Energiegewinnung benötigt wird, kann in Muskeln und Leber deponiert werden. Dafür findet allerdings eine Umwandlung von Traubenzucker in Speicherzucker (Glykogen) statt. Auch für diesen Vorgang wird Insulin benötigt. Damit die Körperfunktionen auch dann gewährleistet sind, wenn keine Nahrungsaufnahme stattfindet, beispielsweise während des Schlafes, wird permanent Insulin ausgeschüttet.

Die Folgen, die das Fehlen von Insulin hat, sind äußerst dramatisch und der Krankheitsverlauf würde unbehandelt tödlich enden. Da in den Körperzellen kein dringend benötigter Zucker mehr ankommt, versuchen die Patienten diesen Energiemangel zunächst mit erhöhter Nahrungsaufnahme zu kompensieren (Heißhungerattacke). Der nicht verwendete Zucker reichert sich immer weiter im Blut an und geht in den Urin über. Da bei gesunden Menschen kein Zucker im Urin nachweisbar ist, ist dies neben dem erhöhten Blutzuckerspiegel auch ein sicheres Diagnosemerkmal. Da der Zucker im Urin vermehrt Wasser aus dem Körper zieht, sind auch die Urinausscheidung und das Durstgefühl stark erhöht. In Folge der Unterversorgung der Zellen kommt es zu Müdigkeit und Gewichtsverlust bis hin zu Bewusstseinsstörungen und Koma. Außerdem können Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen auftreten, sowie Acetongeruch und trockene, juckende Haut.

Therapie bei Diabetes Typ-I

Die schlechte Nachricht zuerst: Heilung von Diabetes Typ-I ist bislang nicht möglich. Doch die Lebensqualität betroffener Patienten hat sich durch innovative Therapieformen enorm verbessert. Wurde in der Vergangenheit mit zwei hohen Dosen Insulin behandelt, ist man heute dazu übergegangen, sich bei der intensivierten Insulintherapie an den realen Körpervorgängen zu orientieren. Während weiterhin zwei Injektionen mit einem lang wirkenden Insulin verabreicht werden und den Grundbedarf decken, wird zusätzlich vor den Mahlzeiten eine kleine Gabe eines schnell und kurzzeitig wirkenden Insulins injiziert. Wichtig ist es, dass die Betroffenen bereit sind bedeutsame Parameter, wie Testwerte, Insulineinheiten, Kohlenhydratmengen und sportliche Aktivitäten oder Krankheiten in einem Stoffwechselprotokoll zu notieren.

Auch wenn die intensivierte Insulintherapie sehr viel Eigenverantwortung voraussetzt, gewinnen die Patienten dadurch viele Freiheiten bei der Gestaltung der Essenszeiten und -mengen und in Bezug auf ihre Lebensführung.

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